Veröffentlicht in psychothriller

Rezension: „In der Finsternis“ – Sandrone Dazieri

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Titel: „In der Finsternis“ (Rezensionsexemplar)
Autor: Sandrone Dazieri
Erscheinungsdatum: 1. Juni 2016
Seitenanzahl: 560 Seiten
Genre: Thriller
Preis: Taschenbuch 9,99€
Verlag: Piper
Klappentext:
Dante Torre kann Menschen lesen. Aber er hat teuer dafür bezahlt. Elf Jahre war er eingesperrt in ein Betonverlies, abhängig von dem Mann, den er Vater nennen musste. Als Jahre später erneut Menschen verschwinden, hat Dante einen üblen Verdacht. Doch er vertraut nur Colomba Caselli. Die suspendierte Elitepolizistin hat wie er nichts zu verlieren bei einer Jagd, die alle Regeln und Gesetze sprengt.

„In der Finsternis“ ist mein erstes Buch von Sandrone Dazieri gewesen und ich war zunächst skeptisch gewesen, da der Klappentext mich ebenfalls nicht sonderlich angesprochen hat. Dennoch war ich gespannt, was mich nun hinter dem Titel und den Worten auf dem Rücken des Buches erwarten würde…

Äußerlich ist das Buch in 8 Teilabschnitte eingeteilt, die jeweils unter verschiedenen Titeln, wie zum beispiel „Der Steinkreis“, „Alte Freunde“ etc. auftauchen, für mich als Leser jedoch keinen wirklichen Sinn ergeben. Das Buch hätte genauso gut ohne dieser Einteilungen existierten können.
Schlimm finde ich hierbei das vergeudete Papier, denn für einige Teilabschnitte wurden manchmal bis zu 4 1/2 Seiten freies, unbedrucktes Papier verschwendet!

Allerdings bin ich generell kein Fan von in Abschnitte unterteilten Büchern.
Des Weiteren gibt es noch andere Abschnitte im Buch, die unabhängig von den Hauptteilen sind und vor allem im Anfang des Buches vorkommen (ebenfalls gibt es hier eine andere Schriftart, um die verschiedenen Abschnitte zu untermauern).
Ich empfand ihr Vorkommen als etwas abstrus und sehr verwirrend, denn man konnte sich noch keinen wirklichen Eindruck der Handlung machen und wird direkt mit sehr verallgemeinerten Kontexten überschüttet.
Hier ein Auszug, um es zu verdeutlichen:
„[…] Am Tisch neben dem Eingang wartet ein älteres Ehepaar auf das Dessert: Eis aus grünem Tee für ihn und eine Auswahl an Soja- und Bohnengebäck für sie, die von den anderen Gängen kaum etwas angerührt hat. Sie waren die Ersten die gekommen sind, als es im Speisesaal noch leer und ruhig war. […] Er ist zweiundsiebzig, sie fünfundsechzig.
Zwei Tische weiter, an einem runden Tisch, sitzen viel albanische Mädchen und ein Mann mit klassischem Profil. Die Mädchen sind Models, und der Mann ist ihr offizieller Begleiter von ihrer Agentur. Vor den wichtigen Modeschauen mit ihnen essen zu gehen, gehört zu seinem Job. […] Er ist fünfunddreißig. Zwei Mädchen sind neunzehn, eines ist achtzehn, eines zwanzig.

Der Restaurantchef führt viel Japaner herein. Es sind Manager eines Unternehmens mit sehr guten Geschäftsbeziehungen in den Westen, […]. Sie sind fünfzig, fünfundvierzig, vierzig und sechsunddreißig Jahre alt. Der Restaurantchef ist fünfundfünfzig.[…]“
(„In der Finsternis“ – Sandrone Dazieri, auszugsweise Seite 47 ff.)


Für mich als Leser ist dies zu Beginn des Buches eine sinnlose Aneinanderkettung von Personen- und Situationsbeschreibungen, die bis dato nicht gerade förderlich für das Verständnis sind.
Später ergeben sie einen Sinn, jedoch hatte ich mir gewünscht, dass sie daher auch später eingeführt werden.

Der Schreibstil von Herrn Dazieri ist relativ angenehm zu lesen, bis auf weniger häufig auftretende Verallgemeinerungen.
Allerdings empfand ich die Kapitel als teilweise zu lang, welches bei mir persönlich den Lesefluss gestört hat. Ich bevorzuge kurze, knackige Kapitel, da man durch diese schneller durch das Buch fliegt.

Wie es bereits zu vermuten ist, spielen Dante Torre und Colomba Caselli die beiden Protagonisten des Buches. Er der etwas verstörte, seltsame Typ, der 11 Jahre in Gefangenschaft verbracht hat, sie die suspendierte und hartgesottene Ex-Polizistin.
Die erste Einbindung beider Figuren in die Handlung fand ich eher seltsam.
Die Protagonistin hat selbst enorme Probleme und wird vom Chef quasi gezwungenermaßen, trotz Beurlaubung, in den Hauptfall der Story eingebunden.
Der Protagonist wurde nach ein paar Seiten/Kapiteln eher spontan eingeworfen, anstatt vorher auf irgendeine Art und Weise großartig erläutert worden zu sein.
Ich empfand beides als relativ suspekt.

Beide Figuren sind nicht gerade das, was man sich als Leser unter sympathischen Charakteren versteht, in die man sich gut hineinversetzen kann.
Da die Charaktere sehr eigenwillig und beabsichtigt als „nicht normal“ hingestellt werden, fiel es mir schwer, zu ihnen eine Verbindung innerhalb des Buches aufzubauen.
Die teilweise neurotischen und zwangsveranlagten Aspekte von Torre zu empathisieren, gelang mir absolut nicht, da ich von so etwas selber nicht betroffen bin und mir es derart ausgeprägt nicht vorstellen kann.
Caselli habe ich teilweise als sehr ungemütliche Zeitgenossin empfunden, jedoch nicht das gesamte Buch über. Jedoch gab es einige Äußerungen, die sie in meiner Ansicht rapide ins Minus befördert haben (beispielsweise die Bezeichnung „Monster“ für einen fettleibigen Menschen oder den grausamen Umgang mit einem Tier, das nur sein zu Hause beschützen wollte). Ich bin fest davon überzeugt, dass sich dafür menschen- und tierwürdigere Beschreibungen hätten finden können!

Das gesamte Buch über hatte ich das Gefühl, dass viele Handlungen zunächst sinnfrei miteinander verknüpft wurden bzw. wurden manche Gedankengänge im Stillen weitergeführt, ohne, dass der Leser etwas davon mitbekam.
Später ergab alles (halbwegs) einen Sinn, jedoch denke ich, dass alles Wichtige nochmal genauer und für Laien verständlicher hätte verfasst werden müssen.
Das führt mich direkt zum nächsten Punkt:

Mir ist natürlich klar, dass der Autor italienischer Herkunft ist und sich dementsprechend viele italienische Aspekte in dem Buch wiederfinden werden, allerdings kamen sehr viele Berufsbeschreibungen und Titelbezeichnungen von Staatsdiensten vor, die mir gänzlich unbekannt waren.
Dottore und Dotoressa konnte ich schnell ableiten und es in Zusammenhang bringen, dennoch sind mir einzelne Bezeichnungen bis zum Ende unbekannt geblieben, was nicht verständnisfördernd ist.
Ebenso fiel es mir schwer, dadurch die Dienstgerade der italienischen Polizei festzustellen um zu sehen, wer im Dienst höher steht und wer niedriger.
Hier hätte man besser die Dienstbezeichnungen ebenfalls übersetzt oder zumindest ein Register mit Erklärungen/Übersetzungen in den Anhang gepackt.

Alles in allem ist es definitiv eine gute Geschichte, jedoch ist die Handlung sehr vollgepackt und erscheint daher sehr verworren und nicht immer nachvollziehbar.
Gerade zum Ende hin werden sehr viele staatspolitische Dinge bezüglich der Geheimdienste und geheimer Organisationen aufgegriffen, die mich persönlich nicht sonderlich interessieren.

Ich finde, der Kommentar auf der Rückseite des Buches, „Eine Reise in den dunkelsten Winkel der menschlichen Psyche“ von Il Sole 24 Ore, trifft völlig daneben.
Ich hätte es sehr begrüßt, wenn der Autor noch mehr auf diese Aspekte eingegangen wäre und es sich eventuell zu einem Psychothriller entwickelt hätte!
Leider ist dies nicht der Fall, daher hat dieser Kommentar für mich keinen Sinn und führt den Leser auf die falsche Fährte.

Die Auflösung war nicht besonders spektakulär, dafür das Ende umso mehr.
Auf den letzten 50 Seiten wird es noch einmal richtig actionreich und spannend.
Leider wird man dann trotzdem mit einem Cliffhanger abgespeist und einige Fragen bleiben definitiv offen! Für mich sehr unbefriedigend, da ich ein Fan von Happy Ends bin oder zumindest Enden, die keine Fragen mehr offen lassen.

Ich gebe dem Buch daher 3/5 Sternchen. 🙂

Hier könnt ihr „In der Finsternis“ kaufen:

https://www.piper.de/buecher/in-der-finsternis-isbn-978-3-492-30913-4

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Autor:

Hey Leute :) Ich bin Vanessa, 22 Jahre alt und lese leidenschaftlich gerne. Bevorzugt Psychothriller und Thriller! Hier auf meinem Block findet ihr Rezensionen zu meinen abgeschlossenen Büchern. Lasst euch meine Meinung nicht entgehen! :) Ich befinde mich hier noch in der Testphase, also seid nachsichtig mit mir. Ich probiere noch rum. Ich freue mich über jegliche Anmerkungen und Kritik, die mir hilft, meinen Blog besser und übersichtlicher zu gestalten! Schaut auch gerne mal auf meinem Bookstagram-Channel vorbei. Den Link findet ihr unten. :) Kommt mit mir auf eine Reise durch die Weiten meiner Bücherwelt :D

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