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Rezension: „WĂ€hrend du stirbst“ – Tammy Cohen

15801138_1231258763606929_1202305770_nTitel: „WĂ€hrend du stirbst“
Autorin: Tammy Cohen
Erscheinungsdatum: 16. November 2015
Seitenanzahl: 416 Seiten
Genre: Psychothriller
Preis: Taschenbuch 9,99€
Verlag: blanvalet
Klappentext:
Drei Dinge gibt es ĂŒber Jessica Gold zu wissen: Sie ist neunundzwanzig Jahre alt, sie hat eine Knopfphobie, und sie wurde entfĂŒhrt. Von einem Fremden, der sie zwölf Tage lang in seiner Wohnung gefangen hĂ€lt, sie mit perfiden Grausamkeiten quĂ€lt, sie angekettet in einer HundehĂŒtte am Fuß seines Bettes schlafen lĂ€sst. Und jeden Tag ĂŒberreicht er seinem Opfer ein Geschenk – eines grausamer als das letzte –, bis Jessica am zwölften Tag sicher weiß: Der Mann wird sie töten. Doch Jessica hat ein Geheimnis, von dem niemand etwas ahnt 


„WĂ€hrend du stirbst“ ist mein erstes Buch von Tammy Cohen und es lag lange auf meinem SuB. Von einer Freundin erhielt ich den Tipp, es zur Weihnachtszeit zu lesen, was ich diesen Monat auch getan habe.
Jedoch muss ich sagen, dass eine gewisse Weihnachtsstimmung im ‚echten Leben‘ nicht wirklich etwas zur AtmosphĂ€re bei mir beigetragen hat.

Leider empfand ich das gesamte Buch schlechter als erwartet. Ich hatte mich wirklich darauf gefreut, bekam viele Empfehlungen und Belobigungen fĂŒr das Werk – Ich wurde jedoch bitter enttĂ€uscht.

Das Cover des Buches empfinde ich als wirklich ansprechend und gut gestaltet! Die Schleife mit dem Blut darauf wickelt das Buch scheinbar in ein Geschenk ein – hier wird eine gute Verbindung zum Inhalt geschaffen!

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt, wobei der erste Teil einzig und allein durch gÀhnende Eintönigkeit, BrutalitÀt und VerstÀndnislosigkeit auf meiner Seite glÀnzt.
Der zweite Teil erklÀrt zwar einiges an NaivitÀt, Sinnlosigkeit und schwacher Handlung des ersten Parts, stimmt mich aber trotzdem nicht milder.

Der Schreibstil von Cohen ist flĂŒssig zu lesen und auch die Idee hinter dem Buch empfinde ich als gelungen, doch an der Umsetzung hapert es zu sehr, als es als ein ‚gelungenes Buch‘ beschreiben zu können.

Die Protagonistin Jessica erscheint, wie der Klappentext schon vermuten lÀsst, durchweg seltsam. Sie fÀllt anfangs vor allem durch ihre naive Ader auf, durch die sie erstmalig in die im Buch beschriebene Misere gerÀt.
Weiterhin liest man sich durchgehend durch Selbstmitleid, keiner Art von Selbsterhaltungstrieb und Perversionen.

Der Protagonist Dominic fiel mir bereits zu Beginn als schmieriger Macho auf, der das typische Denken besitzt, er könne einfach jede Frau haben.
Schnell Ànderte sich dieser Eindruck in einen sadistischen, traumatisierten Mann, auf welchem die Basis dieses Buches geschaffen wird.

Eins lĂ€sst sich sagen: Gewisse Aspekte wurden hier sehr detailliert beschrieben und könnten fĂŒr manche Leser nicht seicht genug ausfallen. Mir hat es nichts ausgemacht, allerdings empfand ich die Umschreibungen teilweise als wirklich ĂŒberdramatisch dargestellt.

Ja, ab dem zweiten Teil wendet sich das Blatt. Es gibt in der Tat kleinere Überraschungsmomente und wenige Seiten, auf denen man ‚mitfiebert‘ und wissen will, wie es nun weiter geht.
Leider verfliegen diese Momente wieder so schnell, wie sie gekommen sind.

ZurĂŒck bleibt die erneute Leere und Langeweile.
Mir fiel auf, dass das Buch (und vor allem besagter erster Teil) auf jeden Fall hĂ€tte gekĂŒrzt werden können. Eventuell wĂ€ren Verstrickungen von Gegenwart und Vergangenheit spannungsauslösende Elemente gewesen.

Als Leser erfĂ€hrt man ebenfalls viel zu viel ĂŒber die ermittelnde Polizistin.
Ich persönlich empfand diese Abschnitte als besonders sinnlos und es erschien mir so, als hÀtte Cohen lediglich versucht, mehr Seiten und anderen Inhalt in dieses Buch zu quetschen.
Die persönliche Situation der Ermittlerin spielt lediglich in wenigen SÀtzen am Ende des Buches eine kleine Rolle, sodass man als Leser ihre Intention besser verstehen kann.
DafĂŒr hĂ€tte jedoch ein kleiner Einblick in ihre familiĂ€re Situation gereicht. So fĂŒllt es aber knapp 1/4 des Buches aus und trĂ€gt nichts zur eigentlichen Handlung bei.

FĂŒr mich war das Buch leider ein Flop und ich kann nicht mehr als 2/5 Sternen vergeben, da es mir definitiv an Spannung und handlungsverĂ€ndernden Überraschungsmomenten gefehlt hat!
Vorherrschende Eintönigkeit, Langeweile und fehlende Tiefe können auch nicht durch eine, im realen Leben hÀufiger vorzufindende, prekÀre familiÀre Situation einer Polizistin wett gemacht werden, die eigentlich nur den Fall aufklÀren soll.

 

Hier könnt ihr „WĂ€hrend du stirbst“ kaufen:

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Ein Interview mit Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek gilt seit seinem grandiosen DebĂŒt vor 10 Jahren („Die Therapie“) als Meister des Psychothriller. Auch mich begeisterte er immer wieder mit neuen Ideen, Geheimnisse, Schockern und einfach atemberaubend gut geschriebenen Werken. 

Einiges kennen wir schon aus unzĂ€hligen anderen Interviews und wir wissen: Herr Fitzek ist nicht nur ein fantastischer Autor, sondern auch ein Ă€ußert sympathischer und humorvoller Mensch mit einem großen Herz fĂŒr Fans. 

Ich hatte die Ehre, ihm einige meiner Fragen stellen zu dĂŒrfen, die mir auf der Seele brennen, aber auch solche, die fĂŒr mich bisher unbeantwortet blieben. 

Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an Sebastian Fitzek, der diesen kleinen Traum hat wahr werden lassen!

Das Interview:


 

Frage: 

Vor Kurzem kam Ihr neuer Thriller „Das Paket“ auf den Markt. Wie lange schreiben Sie fĂŒr gewöhnlich an einem neuen Buch?

Antwort:

Im Schnitt ein Jahr.

 

Frage:

FĂ€llt es Ihnen dabei leichter den Anfang oder das Ende zu schreiben?

Antwort: 

Der Anfang ist in der Regel komplizierter, da hier das Fundament des gesamten Buches gelegt wird.

 

Frage:

VervollstĂ€ndigen Sie den Satz: „Zum Schreiben brauche ich
“

Antwort: 

Ruhe, Kaffee und Schokolade.

 

Frage:

Wer auf Ihrer Lesereise zum JubilĂ€um „10 Jahre Fitzek“ anwesend war, weiß, dass die Idee der Nachricht auf dem beschlagenen Spiegel durch eine Freundin in den Vordergrund trat. 

Welche Idee fĂŒr ein Buch, die Sie aus dem Alltag genommen haben, empfanden Sie als besonders gruselig?

Antwort:

Neben jener zitierten einen Albtraum, den ich einmal hatte und bei dem mir auf einmal klar wurde, dass ich auf einer Straße ĂŒbers Wasser fuhr, die jĂ€h endet und ich, weil ich nicht bremsen kann, ins Meer stĂŒrzen werde. Verarbeitet in „Die Therapie“. 


Frage:

Ich bin ein großer Fan Ihrer BĂŒcher „Der Seelenbrecher“, „Die Therapie“ oder auch „Passagier 23“. 

Wie recherchiert man fĂŒr solche LektĂŒren, deren Handlungsorte eher nicht alltĂ€glich erscheinen?

Antwort:

Neben BĂŒchern und dem Internet ist es am wichtigsten, sich mit Experten zu besprechen. Ich habe Passagier 23 zum Beispiel einem KapitĂ€n zu lesen gegeben – und habe natĂŒrlich selbst Kreuzfahrten gemacht. 

 

Frage:

Teilweise erging es mir bei „Das Paket“ so, dass ich abends das Licht anschalten musste, weil mich das GefĂŒhl beschlich, der „Friseur“ könnte irgendwo umherschleichen.

Wir wissen alle, Sie kommen nicht mit weniger Worten aus und wer könnte Sie da besser verstehen, als ich? Versuchen Sie trotzdem mal, „Das Paket“ in drei Worten zu beschreiben.

Antwort:

Paranoid, klaustrophobisch, haarig.


Frage:

Und nochmal: Beschreiben Sie Ihre BĂŒcher in einem Satz.

 

Antwort:

Nichts ist wie es scheint.

 

Frage:

Sie sind nun schon 10 Jahre lang im Business und Ihre BĂŒcher werden niemals langweilig. 

Welches Ihrer BĂŒcher ist Ihr persönlicher Favorit und warum?

Antwort:

Das ist wie die Frage nach meinem Lieblingskind (ich habe drei!). Die ehrliche Antwort: Das ist tagesformabhÀngig und unterscheidet sich je nach Stimmung.

 

Frage:

In all den Jahren der AutorentÀtigkeit ist Ihre Fangemeinde stetig gewachsen und dabei sind auch die sozialen Medien nicht ganz unbeteiligt.

Auch ich habe in einer Gruppe eine Leserunde zu „Das Paket“ und ein zugehöriges Gewinnspiel ins Leben gerufen und lerne durchgehend tolle neue Menschen kennen.

Was ist Ihre Meinung zu solchen Events und den sozialen Netzwerken?

Antwort:

Lesen ist (wie Schreiben ĂŒbrigens auch) im Grunde eine sehr einsame TĂ€tigkeit. Soziale Netzwerke stellen eine tolle Gemeinschaft her, und es ist wunderbar, dass es so etwas gibt.

 

Frage:

Durch Ihre mediale PrĂ€senz in solchen Netzwerken und auch aufgrund Ihrer bekannten Mail-Adresse, bekommen Sie regelmĂ€ĂŸig tausende von E-Mail.

Welche davon wĂŒrden Sie als die „verrĂŒckteste“ beschreiben oder die, die Ihnen immer im GedĂ€chtnis bleiben wird?

Antwort: 

Die verrĂŒckteste Nachricht war wohl ein echter Brief mit einem 10-Euro Schein und dem anonymen Vermerk „Sie wissen schon, wofĂŒr.“

Ich weiß es bis heute nicht.

 

Frage:

Bekanntlichermaßen muten Sie Ihren Protagonisten in Ihren BĂŒchern gerne mal einiges zu.

Welches Schicksal hat Sie dabei am ehesten betroffen gemacht? Oder welcher Charakter ist Ihnen am meisten ans Herz gewachsen?

Antwort:

Oskar in Noah ist mir sehr ans Herz gewachsen. Aber er ist nur einer von vielen Figuren.

 

Frage:

Gibt es unter Ihren Protagonisten eine Figur, bei der Sie sagen wĂŒrden, sie ist Ihnen am Ă€hnlichsten? Wenn ja, inwiefern stellt sich das dar?

Antwort: 

Nein, ich unterscheide mich von allen. Aber in jeder Figur steckt dennoch auch etwas von mir.

 

Frage:

Auf der Frankfurter Buchmesser deuteten Sie an, dass wir alle, die Leser, sowie Sie selbst, eigentlich Psychopathen seien, da wir Psychothriller schreiben und/oder lesen.

Sehen Sie das wirklich so?

Antwort: 

Ich sagte eher das Gegenteil: Wir nutzen Thriller als Ventile, ĂŒber die ein Psychopath nicht verfĂŒgt. Wir sollten uns also eher Gedanken machen ĂŒber Menschen, die so etwas nicht lesen.;)

 

Frage:

Sie sind nicht nur auf diversen Buchmessen prĂ€sent, sondern auch auf Lesungen. Und das zwischenzeitlich nicht allein. 

Sie haben ein Leseevent zusammen mit Arno Strobel und Wulf Dorn moderiert, welche ich ebenfalls fĂŒr begnadete Autoren halte und ich hoffe, so eine Kooperation selbst mal live miterleben zu dĂŒrfen!

WÀren Sie einer Kooperation mit Strobel oder Dorn, wie mit Michael Tsokos, grundsÀtzlich eher zugewandt oder abgeneigt?

Antwort: 

Ich gehe immer von der Idee aus; das heißt, wenn uns eine gute Geschichte zusammenfĂŒhrt, dann kann ich mir alles vorstellen.


Frage:

Bei Wulf Dorn’s Psychothriller Debut „Trigger“ ist ein Kommentar Ihrerseits abgedruckt. 

„Dorn weiß, wie man den Leser an die schweißnasse Hand nimmt und ihn zu den AbgrĂŒnden der menschlichen Seele fĂŒhrt.“

Diese Aussage kann ich zu 100% unterstĂŒtzen.

Was war fĂŒr Sie das Besondere an diesem Buch gewesen?

Antwort:

Dass man das Buch nicht nur passiv las sondern das GefĂŒhl hatte, aktiv dabei zu sein.


Frage:

Welchen Tipp können Sie Lesern geben, damit sie sich bei diesem Gruselfaktor, ohne unter das Bett schauen zu mĂŒssen, schlafen legen können?

Antwort:

Ich wĂŒrde IMMER unter das Bett schauen. Mehrfach!

 

 

Frage:

Dorn versteht es, rekurrente Figuren und Orte einzusetzen, was ich sehr schÀtze.

Dies ist, vor allem bei Ihren Àlteren Werken, ebenso der Fall.

Werden wir in naher Zukunft, nach langem Warten, mal wieder auf alte Bekannte treffen?

Antwort: 

Im Paket treffen wir ja bereits auf alte Bekannte, in meinen nÀchsten Werken auch.

 

Frage:

Ihre BĂŒcher bestehen vorwiegend aus einer persönlichen Geschichte des Protagonisten und zeigen weniger die Merkmale einer „typischen Ermittlerstory“ auf.

Sind Sie grundsÀtzlich abgeneigt, so eine Handlung zu verfassen?

Antwort:

Mich interessiert mehr die Frage, wie ein ganz normaler Mensch mit Gewalt umgeht. Bei mir stehen deshalb auch hÀufig Opfer im Mittelpunkt, die von unserer Medienwelt oftmals vergessen werden. Ermittler, die darauf trainiert sind, mit Gewalt umzugehen, interessieren mich erst in zweiter Linie.

 

Frage:

Aus persönlichem Interesse aus dem Blick einer Erzieherin: 

Wie begegnen Ihnen die ErzieherInnen und/oder LehrerInnen Ihrer Kinder? 

Wird Ihnen in manchen GesprĂ€chen Ihr Beruf, beziehungsweise Ihr Hang zu Psychothrillern, zum „VerhĂ€ngnis“?

Antwort:

Im Gegenteil. Die Erzieherinnen meiner Kinder lesen zum Teil sehr viel hÀrtere Literatur als ich sie schreibe.

 

Frage:

Ich persönlich halte Sie fĂŒr einen humorvollen Menschen, der gerne auch mal ĂŒber sich selbst lachen kann. Das zeigen Sie immer wieder deutlich auf Lesungen oder Lesereisen.

Daher eine lustige Frage am Rande:

Finden Sie, dass Sie eher einem ‚Erdotter‘ oder einem Frettchen Ă€hneln?

Antwort: 

Erdotter. Allein der Name ist so schön!

 

Frage:

WĂŒrden Sie manchmal gerne mehr Komik in Ihre BĂŒcher einbauen oder haben Sie ein generelles Interesse am Schreiben von Komödien?

Antwort:

Ich lande irgendwie immer beim Psychothriller, aber hin und wieder gelingt es mir, eine komische Figur zu erschaffen, so wie Ender in Abgeschnitten oder Toffi in „Das Joshua-Profil“.

 

Frage:

Rein hypothetisch, welches Schicksal wÀre Ihnen lieber:

Ihr GedĂ€chtnis verloren zu haben, wie zum Beispiel Caspar oder Noah beziehungsweise beabsichtigt einen GedĂ€chtnisverlust herbeizufĂŒhren, wie Marc Lucas?

Oder verfolgt zu werden, wie Max Rhode?

Antwort:

 Ich werde lieber verfolgt. Da kann ich im Zweifel aktiv handeln. Das GedĂ€chtnis zu verlieren bedeutet den Verlust der eigenen IdentitĂ€t, die man nicht aus eigener Kraft wiedergewinnen kann.

 

Frage:

Welche Frage wurde Ihnen bisher noch nie in einem Interview gestellt?

Beantwortete Sie sie.

Antwort:

Wie fĂŒhlt es sich an auf Platz 1 auf der New York Times Bestsellerliste? (Weil ich da noch nie stand.)

Antwort: Sehr gut, denke ich;)
Welche Frage(n) wĂŒrden Sie gerne ausnahmsweise mal an Ihre Leser richten und warum?

Antwort:

Auch hier habe ich keine spezielle. Wenn, dann stelle ich sie auf meinen Lesungen.

 

Frage: 

Und bevor wir nun zur allerletzten Frage kommen: 

Wann erscheint Ihr neues Buch „Passagier 44“? 

Antwort:

 Haha, ja, das wird wohl noch eine Weile dauern.

 

Frage:

Zu guter Letzt hoffe ich, dass Sie einen spannenden, mitreißenden Psychothriller-Tipp fĂŒr Ihre Leser parat haben.

Welches Buch hat Sie bisher absolut begeistert? Welchen Autor können Sie wahren Psychothriller-Fans bedenkenlos weiterempfehlen?

Antwort:

 Michael Robotham; eigentliche alle Thriller von ihm.





Habt ihr noch andere Fragen an Herrn Fitzek oder kam euch nun eine in den Sinn? Dann schreibt mir und vielleicht gibt es dann einen zweiten Teil 🙂

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Rezension: „Saving Grace – Bis dein Tod uns scheidet“ – B.A. Paris

15666157_1221324377933701_1678388662_nTitel: „Saving Grace – Bis dein Tod uns scheidet“
Autorin: B.A. Paris
Erscheinungsdatum: 21. November 2016
Seitenanzahl: 352 Seiten
Genre: Psychothriller
Preis: Taschenbuch 9,99€
Verlag: blanvalet
Klappentext:
Grace und Jack Angel sind das perfekte Paar. Die dreiunddreißigjĂ€hrige Grace ist warmherzig, liebevoll, bildhĂŒbsch. Jack sieht gut aus, ist charmant und kĂ€mpft als renommierter Anwalt fĂŒr die Rechte misshandelter Frauen. Aber sollte man Perfektion jemals trauen? Warum zum Beispiel kann Grace auf Dinnerpartys so viel essen und nimmt doch niemals zu? Warum umgibt ein hoher Zaun Jacks und Graces wunderschönes Haus? Doch wenn man Grace danach fragen möchte, stellt man fest, dass sie nie allein ist. Denn Jack ist immer – wirklich immer – an ihrer Seite 


„Saving Grace“ ist der erste Thriller der Autorin und ich hoffe nicht ihr Letzter!
Ein absolut gelungenes Psychothriller-Debut und ganz nach meinem Geschmack.

Der Klappentext sprach ich sofort an und ich war wirklich gespannt auf den Inhalt, der sich dahinter verbirgt. Im Nachhinein betrachtet erzÀhlt er allerdings im Allgemeinen relativ viel von der Geschichte vorweg.
Ebenso empfinde ich den Untertitel „Bis dein Tod uns scheidet“ als relativ unnötig, da so einiges vom Ende verraten werden könnte. Ich persönlich habe bis zum Schluss des Buches nie wirklich auf diesen geachtet, kann aber bestĂ€tigen, dass es mich gestört hĂ€tte, wenn ich es getan hĂ€tte.

Generell ist es mir zuwider, perfekte BĂŒcher mit den perfekten Protagonisten und ihrem perfekten Leben zu lesen, denn meist ist es hinter der Fassade eben nicht perfekt sondern relativ langweilig.
Anders als herkömmliche Thriller geht „Saving Grace“ jedoch mĂ€chtig an die Substanz und ruft ein beklemmendes GefĂŒhl beim Leser hervor.
Paris hat aus einer einfachen Grundgeschichte ein super Debut hingelegt, indem es kaum langweilig wurde!

Das Buch ist in zwei Zeitebenen eingeteilt: Vergangenheit und Gegenwart.
Diese Einteilung ist durchaus sinnvoll und fördert das VerstĂ€ndnis der gesamten Story. So entwickelt man ebenfalls eine große Empathie zu Grace, die mir sowieso wirklich sympathisch war, ebenso wie ihre Schwester Millie. Da sie am Down-Syndrom erkrankt ist wurden ihre sprachlichen Kompetenzen als relativ kindisch ausgelegt. Meiner Meinung nach zu kindisch. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass dadurch die Krankheit deutlich kompensiert werden sollte, da nicht so viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt wurde.
Genauso habe ich jedoch gelernt den Protagonisten Jack zu fassen und hinter sein perfektes Leben zu schauen.
Beide Zeitebenen ergeben im Laufe des Buches einen Handlungsstrang und fĂŒhren am Ende passend zusammen.
Die Autorin versteht sich darauf, die Unterschiede sehr deutlich zu machen, sie dennoch nicht zu ĂŒberdramatisieren.

Ebenso gelang es Paris durch gekonnte SchlusssÀtze der Kapitel mich dazu zu bringen, ihr Buch in weniger als 1 1/2 Tagen auszulesen. Ich musste einfach wissen, wie es weiter geht!

Kurz nach Beginn der eigentlichen Handlung gibt es einen Sprung und eine ErklĂ€rung in der Story, die ich aus spoilerfreien GrĂŒnden nicht weiter erlĂ€utern kann.
Jedoch kann ich sagen, dass mir dieser Sprung etwas zu schnell ging, sodass er einiges an Tiefe und VerstĂ€ndnis verlor. Dort hĂ€tte ich mir mehr Liebe zum Detail gewĂŒnscht und eine etwas langsamere Herangehensweise geschĂ€tzt.

Im Allgemeinen kann ich sagen, dass das Buch zwar teilweise vorhersehbar ist, dafĂŒr aber durch die drĂŒckende AtmosphĂ€re und das GefĂŒhl wissen zu mĂŒssen, was nun vor sich geht, weiter spannend bleibt.
Bis zum Ende hÀlt man gespannt den Atem an und spinnt selber Theorien und Möglichkeiten, wie dieses aussehen könnte.
Paris hat mich mit ihrem wunderbar flĂŒssigen Schreibstil und einer angenehmen KapitellĂ€nge wirklich in ihren Bann gezogen.

Ein Geheimnis bleibt bis zuletzt offen und klÀrt sich erst spÀter, was ebenfalls nochmal einen Spannungsmoment darstellt.
Allerdings gibt es nicht nur Spannung, sondern auch durchaus komödiantische Elemente, die den Leser zwischendrin, in all dem Chaos, schmunzeln lassen, sodass man die Tragödie beinahe vergisst.

FĂŒr meinen Geschmack ist dieses Buch ein perfekter Balanceakt zwischen Spannung und einer langweilig perfekten Ehestory.
Manchmal geht es sachte voran, manchmal schnell, rasant und hinterlistig.
Als Leser lernt man im Laufe der Geschichte, sich in die Köpfe der beiden Protagonisten hineinzuversetzen – und man mag nicht vermuten, was sich darin abspielt.
Ich wurde teilweise wirklich selbst paranoid und wusste nicht, wo vorne und wo hinten ist, ob es ein Spiel ist, oder nicht?!

Das Ende war fĂŒr mich passend und bildete den perfekten Schluss zum Buch. Das Vorkommen einer Person hat mich hier besonders gefreut!

Alles in allem kann ich fĂŒr das Buch eine ganz klare Leseempfehlung aussprechen!
Noch nie habe ich in einem Buch so mit der Protagonistin gefĂŒrchtet, geraten, gesponnen.
Noch nie hat mich ein Buch derart mit seiner bedrĂŒckenden, beklemmenden Tiefe beeindruckt.

Von mir bekommt das BĂŒchlein 4,5/5 Sternen!

 

Hier könnt ihr „Saving Grace“ kaufen:

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Rezension: „Im dunklen dunklen Wald“ – Ruth Ware

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Autorin: Ruth Ware
Erscheinungsdatum: 23. September 2016
Seitenanzahl: 384 Seiten
Genre: Thriller
Preis: Broschiert 15,90€
Verlag: dtv Verlag
Klappentext:
Eine bizarre Junggesellinnenparty. Ein Spiel, das aus dem Ruder lÀuft.
Manche Partys sind gut, manche sind schlecht. Diese hier ist tödlich.
Als Nora, 26, eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemals besten Freundin Clare bekommt, ist sie mehr als ĂŒberrascht. Sie hat Clare seit zehn Jahren nicht gesehen. Seit dem Vorfall damals, den Nora nie ganz ĂŒberwunden hat… Und jetzt aus heiterem Himmel diese Einladung. Ein idyllisches Wochenende in einem Haus tief in den winterlichen WĂ€ldern Nordenglands ist geplant. Was kann es schon schaden? Nora gibt sich einen Ruck und fĂ€hrt hin. Doch etwas geht schief. Grauenvoll schief.

„Im dunklen dunklen Wald“ ist mein bisher erstes Buch der Autorin Ruth Ware.
Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, da mich schon das Cover ansprach, welches sehr dĂŒster erscheint.

Das Buch besteht auf einigen lĂ€ngeren Kapiteln und lĂ€sst sich teilweise flĂŒssig, teilweise sperrig lesen. Zu Beginn musste ich ich erst an den doch relativ umgangssprachlichen Ton gewöhnen, der besonders dort vorherrschte, spĂ€ter aber abflachte.
Kleiner aber feiner Fehler, der mir auffiel: Es gibt keine Seite 61. Diese Seitenzahl wurde ausgelassen, sodass eine Seite nun seitenzahllos ist. FĂŒr mich kein wirklicher Makel aber durchaus lustig zu erwĂ€hnen.

Der Prolog macht Lust auf mehr und ist ĂŒberraschend rasant und spannungsgeladen.

Leider kann Ware diese Spannung absolut nicht halten.
Das Buch spielt in seiner gesamten LĂ€nge in Vergangenheit und Gegenwart, welches, fĂŒr mich persönlich, ein Ă€ußerst interessantes Mittel darstellt, gerade, wenn der Protagonist sich selbst an nichts erinnern kann.
Denn so kann man sich mit ihm auf die Suche nach der Wahrheit machen. Überzeugend dabei ist ebenfalls die Ich-Perspektive, denn so erfahren wir die geheimen Gedanken und Überlegungen von Nora.

Dies ĂŒberzeugt, sofern es geschickt gestaltet ist, was hier leider nur teilweise der Fall war. ZunĂ€chst war ich ziemlich ĂŒberrumpelt von der Aufteilung, denn sie kommt ohne AnkĂŒndigung oder einen Hinweis mit Verweis auf die Zeit. Daher verwirrten mich die KapitelanfĂ€nge zunehmend, da man sich als Leser immer wieder neu einfinden muss, bevor man versteht, in welcher Zeitepisode man sich nun befindet.

In diesem Buch wird das alles jedoch relativ krimimĂ€ĂŸig erzĂ€hlt und hat wenig von der Rasanz eines Thrillers.
AnfĂ€nglich empfand ich es daher sogar eher als einen New Adult Roman mit amateurhaften KrimizĂŒgen.

Allgemein fand ich die Namen der gesamten Figuren wirklich gekĂŒnstelt. Auf mich wirkten sie unreal und ich konnte mir keinen der Charaktere als wirkliche, handelnde Person vorstellen.
Ich empfand die Protagonistin Nora nicht direkt als unsympathisch, jedoch kam sie mir naiv, seltsam und ĂŒberdramatisch vor.
Sich von Ereignissen von vor 10 Jahren derart beeinflussen zu lassen, kann ich nicht nachvollziehen. Zumal mich die Auflösung dieser anscheinend „verstörenden“ Ereignisse weiterhin zweifeln ließ, ob ich nicht wirklich einen New Adult Roman lese.
Derartige Geheimnisse oder Erlebnisse, die verbal aufgefrischt wurden, kamen unspekatulĂ€r, wie sie nun mal sind, in die Geschichte mit rein und verursachen ein grĂ¶ĂŸeres Drama, als nötig gewesen wĂ€re.
DiesbezĂŒglich empfand ich Nora als störend und als eine „Drama-Queen“; wie sagt man so schön? „Viel LĂ€rm um nichts.“ So kam es mir vor.

Gerade beim Thema kann ich erwĂ€hnen, dass eine weitere Figur ebendiese Aspekte um noch einen großen Ticken mehr erfĂŒllt, was im Laufe der Story wirklich absolut nervig, sowie unauthentisch und realitĂ€tsfern wird.

Das Buch ist bestĂŒckt mit Intrigen, Dramatik, Liebe, Hinterlistigkeit, Misstrauen und einer wenig ansprechenden Spannungskurve.
FĂŒr mich sind all dies Aspekte einer Geschichte, die meiner persönlichen Meinung nach nichts (oder zumindest nicht zu viel) in einem Thriller zu suchen haben, denn damit werde ich beim Lesen eher gelangweilt.

Ein guter Thriller braucht Tiefe, spektakulÀre Handlungen und Geheimnisse, Verwirrung und Spannung bis zur letzten Seite!
Leider kann dieses Buch das nicht bieten und fĂ€llt meiner Meinung nach daher eher in eine andere Kategorie, als „Thriller“.

Dennoch ist es ein nettes Buch fĂŒr zwischendurch und fĂŒr Lesebegeisterte, die sich erst in den AnfĂ€ngen ihrer Krimi- und Thrillerliebe befinden und sich langsam herantasten wollen. Oder auch fĂŒr diese, die sonst eher seichteres lesen und mal ein anderes Genre austesten wollen.

Von mir, als bekennende (Psycho-)Thriller-Liebhaberin gibt es aber leider nur 2,5/5 Sternchen, da ich einfach mehr erwartet hĂ€tte und die Spannung fĂŒr mich persönlich viel zu kurz kam.

 

Hier könnt ihr „Im dunklen dunklen Wald“ kaufen:

https://www.dtv.de/buch/ruth-ware-im-dunklen-dunklen-wald-26123/

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Rezension: „Anders“ – Anita Terpstra

15355852_1197942283605244_1457038478_nTitel: „Anders“ (Rezensionsexemplar)
Autorin: Anita Terpstra
Erscheinungsdatum: 15. August 2016
Seitenanzahl: 384 Seiten
Genre: Thriller
Preis: Taschenbuch 9,99€
Verlag: Blanvalet
Klappentext:
Alma Meester, ihr Mann Linc und die beiden Kinder Iris und Sander sind eine ganz normale, glĂŒckliche Familie. Bis zu dem Tag, als der elfjĂ€hrige Sander zusammen mit einem Freund wĂ€hrend eines Ferienlagers spurlos verschwindet. Der andere Junge wird kurz darauf tot aufgefunden, doch Sander bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Sechs Jahre spĂ€ter meldet sich ein junger Mann bei einer deutschen Polizeistation. Er sei der verschwundene Sander Meester. Die Familie ist ĂŒberglĂŒcklich, doch nach und nach kommen der Mutter Zweifel. Ist der Junge wirklich ihr Sohn? Und was ist in der Nacht damals tatsĂ€chlich passiert?

„Anders“ ist mein erstes Buch von Anita Terpstra gewesen und sicherlich nicht mein letztes!
Ich hatte es auf dem Bloggerportal von randomhouse angefragt und war sehr gespannt auf das Exemplar. Danke nochmal an den Verlag und randomhouse fĂŒr den Versand des BĂŒchleins an mich.

Die Autorin begeistert schon mit einem rasanten Prolog, der zwischen Leser und der Mutter bereits hier Empathie fördert und eine Verbindung zur Familie herstellt.
Ich konnte mich sofort in die Ängste der Mutter hineinversetzen und war gespannt, wie es weiter geht.

Die weitere Handlung des Buches gestaltet sich als spannend, geheimnisvoll und mysteriös. Als Leser rĂ€t man das gesamte Buch ĂŒber mit und mutmaßt ĂŒber den Ausgang.
Terpstra hat einen angenehmen Schreibstil entwickelt, wodurch das Buch wirklich gut und flĂŒssig zu lesen ist.
Ich konnte es kaum aus der Hand legen, obwohl der Spannungsaufbau etwas schleichend voranschreitet. Ab ca. Seite 160 wird es deutlich interessanter und es werden Geheimnisse angesprochen, die einen bis ans Ende des Buches verfolgen.

Auf den ersten 5 Namen wird man mit einigen Namen und Figuren konfrontiert, trotzdem sind sie aber sofort passend zuzuordnen.
Allgemein gibt es ein, auf den ersten Blick, sehr verzweigtes Beziehungsgeflecht, in welches man sich zunÀchst einfinden muss, um es gut nachzuvollziehen. Dennoch ist es gut durchdacht und absolut stringent.

Die ersten Kapitel handeln von der Vergangenheit und berichten ĂŒber das Verschwinden des Jungen. Ebenfalls wirkt das Buch sehr realitĂ€tsnah, da zum Beispiel postnatale Depressionen und die Ängste, denen sich die Mutter im Laufe des Buches stellen muss, keinesfalls fiktiv sind.
Es gibt einen Break und das Buch lÀuft in 6 Jahren Zukunft fort. Demnach spielt es in der Gegenwart.

Im weiteren Verlauf herrschen einige Perspektivwechsel vor und zeigen die Sicht von der Mutter, des Jungen, der Schwester, aber auch eines allwissenden ErzÀhlers.

Generell herrscht in dem Buch eine relativ misstrauische und geheimnisvolle AtmosphÀre vor, die man selbst nicht zu umgehen vermag.
Niemand weiß, was genau passiert ist, jeder ist in gewisser Weise verdĂ€chtig, bis zum Ende bleibt es spannend.

Das Ende empfand ich als wirklich ĂŒberraschend und unvorhersehbar, obwohl ich zuvor einige Vermutungen angestellt hatte, die sich jedoch nicht bewahrheitet haben.
Auf den letzten Seiten vor der endgĂŒltigen EnthĂŒllung wird zwar darauf hingefĂŒhrt, aber dennoch konnte ich es kaum abwarten, es zu lesen.

Alles in allem zeugt dieses Buch von einer furchtbaren Familientragödie, gepaart mit leicht psychologischen Elementen und GeheimniskrÀmerei.

Ein tolles Buch und absolut weiterzuempfehlen!
Von mir bekommt es 4,5/5 Sternchen. 🙂

 

Hier könnt ihr „Anders“ kaufen:

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Anders/Anita-Terpstra/Blanvalet-Taschenbuch/e482229.rhd